08.11.2026
Vom Hortus-GrĂ¼nder Andreas Ellenberger
Ruth Richter
Der Verein «Hortus officinarum» wurde durch die Initiative von Andreas Ellenberger ins Leben gerufen. Im Juli 2026 hat Andreas nach kurzer, schwerer Krankheit die irdische Welt verlassen – für uns unfassbar schnell und unerwartet. Wir haben das irdische Geschick des Vereins in die Hand genommen, bauen aber nach wie vor auf seine Begleitung in seiner inneren Ausrichtung, die von Andreas stetig mit einem klaren, unbestechlichen Denken, liebevoller Wachheit für das Soziale und hohen Idealen bereichert worden ist.
Andreas hat bei Weleda Schweiz einen grossen Schritt zur Nachhaltigkeit bewirkt, u.a. indem er dafür gesorgt hat, dass aus aller Welt Kräuter und andere Rohstoffe in Bioqualität beschafft werden konnten. Deshalb war ihm das Problem der Verfügbarkeit von biodynamischem Saatgut vertraut: man konnte es noch Anfang des 21. Jh. keinesfalls von allen Arten bekommen. So wie Getreide- und Gemüse-Saatgut für die Demeter-Produktion von der «Getreidezüchtung Peter Kunz» und der «Sativa» bereitgestellt wurden, sollte es nach Andreas’ Meinung auch eine Initiative geben, die sich um biodynamisches Saatgut von Heilpflanzen kümmerte. Dafür hat er mit Amadeus Zschunke, Michael Straub u.a. an Pfingsten 2008 im schönen Wala-Garten «Hortus officinarum» gegründet.
Dessen Entwicklung hat Andreas als Präsident bis 2022 fördernd und innovativ begleitet. Als besondere Qualität der Zusammenarbeit mit ihm ist seine stetige Wachsamkeit für das, was zwischen den Menschen vorgeht, hervorzuheben. Nicht zuletzt, weil er sich immer umsichtig um die Gestaltung der sozialen Prozesse gekümmert hat, war es möglich, dass der Verein organisch gewachsen ist und dass er sein Amt 2022 in die Hände von jüngeren Mitarbeitenden legen konnte.
Meine Zusammenarbeit mit ihm, als ich in der Anfangsphase die einzige Angestellte von Hortus war, hat unser Vorstandmitglied Michael Straub einmal sehr schön beschrieben: «Als Pionierteam haben sich Andreas und Ruth wunderbar ergänzt: Während Andreas immer auf der Suche nach innovativen Ideen und neuen Leuten Projekte an Land zog, hat Ruth diese angepackt, mit Beharrlichkeit durchgeführt und weitergetragen. Sie hatte auch ein wachsames Auge auf Andreas‘ feurige, manchmal allzu grosszügige Innovationswünsche. Einer, der den Fortgang in die Zukunft befeuert im Verbund mit der Kraft der Beharrlichkeit, die die irdischen Verhältnisse würdigt – das war eine befruchtende Zusammenarbeit.»
Eine wichtige Eigenschaft war seine Fähigkeit, Vertrauen zu schenken. Dieses Geschenk hat z. B. für mich einen grossartigen Freiraum für die Entfaltung von Fähigkeiten geschaffen und ich bin ihm unendlich dankbar dafür. Diese Atmosphäre des Vertrauens hat auch nach aussen ausgestrahlt und wurde mit der Zeit zurückgespiegelt: Das Bundesamt für Landwirtschaft hat Hortus officinarum seit 2015 die Vermehrung aller in der schweizerischen Genbank gelagerten Aroma- und Medizinalpflanzen anvertraut.
Mit grosser Liebenswürdigkeit hat Andreas immer neue Verbindungen mit Firmen, neuen Mitgliedern, befreundeten Ärzten und Pharmazeuten gepflegt. So konnte der Verein auf dem Gelände der Weledagärtnerei Arlesheim arbeiten und für die Saatgutreinigung durften wir die Einrichtungen der Sativa benutzen. Diese Zusammenarbeit wurde intensiver, seit das Saatgut von Hortus auch über die Sativa vermarktet wird. Züchtungsprojekte werden mit einem Netzwerk von Partnerbetrieben durchgeführt – wie Andreas selbst hat sich auch der Verein Hortus zu einem vorwiegend sozialen Wesen entwickelt, das in vielerlei Verbindungen mit anderen Menschen steht. Über all die Jahre hat er dafür gesorgt, dass der Kontakt mit den Mitgliedern in zwei Rundbriefen pro Jahr gepflegt wurde. Er hat aber auch – vor allem nach seiner Pensionierung – immer wieder tatkräftig bei Aktionen auf dem Feld oder bei der Samenreinigung mitgeholfen.
Jede Art von Dogmatismus war Andreas ein Dorn im Auge. Nicht alles, was man jahrzehntelang geglaubt hat, muss immer so bleiben oder wahr sein. Solche Beweglichkeit wird umso seltener, je älter wir werden. Aber Andreas war ein Wunder an gedanklicher Beweglichkeit!
Bewundert habe ich immer, wie liebevoll Andreas mit seiner Frau Helena umgegangen ist. Und auch die Zuwendung, die er den verstorbenen Freunden und Pionieren des biodynamischen Landbaus geschenkt hat: Er hat dafür gesorgt, dass Leben und Wirken von Peter Blaser, Fritz Baumgartner und Ilmar Randuja, die alle selber keine Autobiografie geschrieben hätten, jeweils in einem kleinen Buch gewürdigt wurden. Für Arthur Hermes, einen der ersten Lehrer für biodynamische Landwirtschaft in der Schweiz, hat er ein Freundestreffen auf dem Herzberg veranstaltet; zum 100. Geburtstag des Freundes und Züchtungspioniers Ilmar Randuja hat er eine Zusammenkunft im Rüttihubelbad organisiert, die einen grossartigen Bogen über sein Wirken wie auch über die biodynamische Bewegung gespannt hat.
Initiativkraft, Liebenswürdigkeit gepaart mit einem klaren, unbestechlichen Denken, liebevolle Wachheit für das Soziale, und Vertrauen – all das hat es zu einer Freude und Bereicherung gemacht, mit Andreas zusammenzuarbeiten!