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Pflanzenporträt

Angelica archangelica

Erzengelwurz
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Die Erzengelwurz bildet mit ihren mächtig ausstrahlenden kugeligen Dolden eine imposante Pflanzengestalt, die bis 2 m hoch wird. Schon im 14. Jahrhundert wurde sie von Mönchen als eine der wichtigsten Kulturund Heilpflanzen aus dem Norden in südliche Klostergärten gebracht. Auch in der Schweiz hat sie in Heilpflanzengärten zu Schauzwecken historische Bedeutung und wird bis heute für die Heilmittelproduktion angebaut.

Aus Island, Norwegen und Grönland stammen auch die Rezepte, die ihr Potential als Nahrungspflanze ausweisen: Die jungen aromatischen Stiele und Blätter, deren Duft an ein Gemisch aus Sellerie und Ananas erinnert, wurden dort als eines der seltenen Wintergemüse gedünstet zubereitet. Aroma, Farbe und Heilkraft der Rosetten und Wurzeln sind im Winter am intensivsten und weisen auf die ungewöhnliche Vitalität der Pflanze in dieser Jahreszeit hin.

Einheimisch ist hier nur eine der 50 Arten der Gattung Engelwurz, die in feuchten Wiesen verbreitete Waldengelwurz. Die übrigen kommen nur in den nördlichen Teilen der Nordhemisphäre vor. Sie gehören zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae), die einige unserer wichtigsten Nahrungspflanzen wie Möhre und Sellerie stellt.

Die Laubblätter der Erzengelwurz sind kahl, ihre Fiederblätter sind zwei bis mehrfach gelappt und können in der Rosette bis 90 cm lang werden. Der fein gerillte markigröhrige Stängel verzweigt sich nach oben hin und trägt ab Juni an seinen Ästen typisch bauchige stängelumfassende Blattscheiden; endständig schieben sich aus den blasigen Scheiden die Dolden hervor, deren kugelige Form sich in den Blütendöldchen zweiter Ordnung wiederholt.

Anbau und Ökologie

Angelica bevorzugt einen nahrhaften, tiefgründigen und lockeren Boden in sonniger Lage. Schwere, steinige Böden sind ungeeignet. Die Pflanzen haben einen hohen Wasserbedarf, vertragen aber keine Staunässe. Die Erzengelwurz wird zwei- bis vierjährig und stirbt nach erstmaligem Blühen und Fruchten ab. Die Wurzeln müssen daher vor der Blüte im Winter des zweiten Vegetationsjahres geerntet werden.

Die Samen sind nur wenige Monate keimfähig und sollten gleich nach der Samenreife im Juli / August gesät oder bis zur Aussaat im nächsten Frühling im Kühlschrank aufbewahrt werden. Eine Voranzucht mit Pikieren und Topfen ist empfehlenswert. Die jungen Pflänzchen sind schneckenfrassgefährdet.

Die Engelwurz ist eine Insektenpflanze. Fliegen, Bienen (Nektar) und Wildbienen, Schwebfliegen, Florfliegen und Grabwespen befliegen die Blüten der Engelwurz intensiv. Diese werden auch häufig von Baum-, Blumen und Blindwanzen besucht, sowie von diversen Käfern wie z.B. Bockkäfer und Rosenkäfer.

Inhaltsstoffe und Indikationen

Beim Zerschneiden der Wurzel wird ein milchiger Saft frei, der harzig-scharf und bitter schmeckt und zusammenziehend wirkt. Das weist auf die Hauptwirkstoffe: Bitterstoffe und Gerbstoffe, verschiedene ätherische Öle, organische Säuren und Tocopherol (Vitamin E).

Einige isolierte Wirkstoffe haben im Tierversuch immunstimulierende Effekte gezeigt. Man kann dies als Bestätigung alter volksheilkundlicher Indikationen auffassen, z.B. des mittelalterlichen Glaubens an den Schutz vor Ansteckung. Allgemein anerkannt ist die stärkende und aufbauende Wirkung der Erzengelwurz als aromatisches Bittermittel (Amarum aromaticum).

Nebenwirkungen

Alle Teile der Erzengelwurz enthalten Furanocumarine, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Im Zusammenhang mit UV-Strahlen können nach der Einnahme mehr oder weniger stark ausgeprägte Hautentzündungen auftreten. Eine Exposition in starker Sonneneinstrahlung sollte während der Behandlung vermieden werden, und auch bei Kultur und Saatguternte empfiehlt es sich, bei Sonne Handschuhe zu tragen.