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Projekt

Züchtung einer welketoleranten Hypericum perforatum-Sorte

Projektzeitraum
01.03.2020 - 01.03.2022
Beteiligte Standorte
Arlesheim (CH), Rheinau (CH), Eckwälden (D)

Hypericum perforatum (Johanniskraut) ist zurzeit eine der wichtigsten Heilpflanzen aufgrund ihrer sehr verbreiteten Verwendung in antidepressiven Arzneimitteln. Daraus ergibt sich eine grosse wirtschaftliche Bedeutung bezüglich Anbauflächen und Umsatz.

Mit steigender Nachfrage und vermehrtem Anbau von Johanniskraut hat seit den 90er Jahren in Europa der Befall mit Johanniskrautwelke (Colletotrichum cf. gloeosporioides, im Folgenden CG) stark zugenommen. Es besteht bei den Anbauern grosses Interesse an der Züchtung toleranter Sorten - von denen nur wenige auf dem Markt verfügbar sind -, die sich für den Bio-Anbau eignen und auch andere verbesserte Eigenschaften aufweisen.


Abklärungen und erste Ergebnisse

Wir haben 2017 von der schweizerischen Genbank 69 Akzessionen von Hypericum perforatum zur Regeneration erhalten, die aus früheren Züchtungsprogrammen stammen. Im Blick auf die Züchtung einer Bio-Sorte haben wir eine vergleichende Sichtung vorgenommen. Besonders wichtig war die Abklärung der genetischen Disposition für die Anfälligkeit für Johanniskrautwelke. Daher wurden zum Vergleich zwei Referenzsorten aus dem Handel einbezogen, deren Anfälligkeit  bekannt ist. Zudem wurden bei allen Varianten in zwei Anbaujahren weitere agronomisch relevante Parameter bonitiert. Der Anbau wurde bei SATIVA Rheinau durchgeführt. 16 dieser Akzessionen wurden zusätzlich bei WALA in Eckwälden D im Vergleich mit 5 bio-dynamischen Herkünften angebaut und bonitiert.

Die Referenzsorte „Taubertal“ wies erwartungsgemäss wenig Welkebefall auf, schnitt aber in manchen erwünschten agronomischen Eigenschaften schlechter ab. Unter den in der Genbank eingelagerten Akzessionen gibt es dagegen einige, bei denen Befallsfreiheit mit guten Boniturergebnissen in anderen Merkmalen einherging, und die somit aussichtsreiche Kandidaten für die Züchtung sind.


Zuchtziele

Da der Befall mit Johanniskrautwelke bestandesgefährdend ist, steht die Widerstandfähigkeit gegen CG im Vordergrund. Ebenso ist auf eine geringe Mehltau-Anfälligkeit zu achten.

Um qualitativ hochwertiges Pflanzenmaterial zu erhalten, ist bei Johanniskraut ein straffer, aufrechter und nicht zu hoher Wuchs anzustreben, der durch gute Standfestigkeit die Gesunderhaltung des Bestandes unterstützt, die mechanische Beikrautregulierung erleichtert und das Erntegut vor Verunreinigungen schützt.

Da in Jahren, in denen klimatisch (feucht-warme Witterung) die Entwicklung des Pilzes begünstigt wird, nur im ersten Jahr geerntet werden kann, ist neben der Welketoleranz ein früher Blühzeitpunkt von Interesse.

Für eine effiziente Ernte sind eine homogene Bestandesentwicklung mit einheitlicher Höhe und einem gedrängten Blühhorizont von Vorteil. Im Blick auf einen optimalen Schnittzeitpunkt sollte die Blüte möglichst gleichzeitig im gesamten Feldbestand erfolgen.

Pharmazeutische Anforderungen sind ein hoher Blütenanteil, ein Mindestgehalt an Hypericin, geringer Stängelanteil, Grenzwerte für Schwermetalle und eine gleichbleibende Qualität des Erntegutes.