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Pflanzenporträt

Echinacea angustifolia

(im Vergleich mit Echinacea purpurea)

Dieses Pflanzenporträt wurde in Anlehnung an den Kurs von Dr. med. Kaspar J. Jaggi am 25. August 2021 im Rüttihubelbad verfasst.

Echinacea ist eine Gattung des Westens, sie ist auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet und gehört zu der evolutionär höchstentwickelten Familie der Korbblütler. Die Namen «Igelkopf» und «Sonnenhut» zeichnen ein treffendes Bild ihres Samenstandes.

Jede Pflanze gestaltet ihren Standort mit und bringt in ihrer Gestalt seine Bedingungen zum Ausdruck. Die Naturstandorte der im Kurs betrachteten Arten in den USA sind so unterschiedlich wie die beiden Pflanzenarten selbst. Die Heimat der Echinacea angustifolia ist die offene Kurzgras-Prärie, die zum Teil auch als Weide genutzt wird. Die Pflanzen wachsen dort zwischen Grasbüscheln auf lehmigen Böden, sind ständig dem Wind ausgesetzt, und es gibt nur wenige Niederschläge im Frühling. Das kontinentale Klima mit hohen Temperaturen im Sommer und starker Kälte im Winter fordert die Pflanzen heraus, Qualitäten auszubilden, die auch unsere Hochgebirgspflanzen beherrschen müssen, um sich an ihren exponierten Standorten entfalten zu können. Solche Pflanzen bleiben nahe am Boden und verankern sich mit starken Wurzeln. Davon zeugt die kräftige Pfahlwurzel der E. angustifolia, die sich mit dem Erstarken der Pflanze auch verzweigen und geradezu Masse bilden kann. Sie bleibt im Vergleich mit Echinacea purpurea niedrig und wird auch auf Kulturböden nicht höher als 50-60 cm. Ihre Blätter sind schmal-lanzettlich und wie auch die zähen Stängel mit einer rauen Behaarung versehen, so dass sie gräulich-grün wirken. Die Blüten heben sich typischerweise – wie bei der Arnika – deutlich vom Blattbereich ab. Auch in den Blüten selbst zeigt sich der kompakte Charakter der Pflanze: Die rosa Blütenblätter sind kürzer als bei E. purpurea und wölben sich nach unten, die Blütenmitte, der «Hut» ist in allen Stadien rundlich flach.

Wie anders ist die Stimmung der Naturstandorte von Echinacea purpurea, die sich im Schutz von Wäldern mit guter Wasserversorgung herausgebildet hat! Nichts hindert sie, sich blattreich bis zu einer Höhe von einem Meter zu entfalten. Die Wurzeln brauchen nicht als Anker zu dienen, sie bleiben dünn und bilden ein dichtes Geflecht. Die ovalen, zugespitzten Blätter leuchten in üppigem Grün und steigen bis in den Blütenbereich auf. Die grossen, in kräftigem Rosa erstrahlenden Blüten machen sie zu einer beliebten Zierpflanze in unseren Gärten. Selbst der igelige Samenstand wagt sich zunehmend spitz heraus.

Versetzen wir uns in die Orte, von denen die beiden Arten stammen, innerlich hinein, können wir spüren, wie wir uns bei Durst, angriffigem Wind und extremen Temperaturen von innen zusammenziehen oder aber uns in geschützter Position gut genährt entspannen – solche Kräfte sind es, die in der Gestaltbildung der beiden Arten wirksam werden.

Gehen wir davon aus, dass uns die Pflanzen, wenn wir sie einnehmen, etwas von dem, was sie gelernt haben, mitgeben, liegt es nahe, dass E. angustifolia unseren Organismus lehren kann, im Umgang mit Kälte und extremen Herausforderungen zu erstarken.

Die Indianer Nordamerikas haben nicht nur das erkannt, sie haben die Pflanze für viele Krankheiten eingesetzt. Überliefert ist sogar die unmittelbar heilende Wirkung bei Bissen von Giftschlangen.

Sehr anschaulich und amüsant hat uns der Referent in die Geschichte der Echinacea als Heilmittel eingeführt. Im 20. Jahrhundert wurde sie durch Europäer als Heilpflanze entdeckt. Der Schweizer A. Vogel besuchte selbst indianische Schamanen, die er über ihre Heilpflanzen befragte und soll von einem von ihnen eine Handvoll Echinacea-Samen erhalten haben, die er dann in Europa kultivierte und zum bekannten Echinaforce®-Präparat verarbeitete. Bei dem von der Firma angebauten Pflanzenmaterial handelt es sich um E. purpurea. Der Arzt Dr. Madaus beschreibt E. angustifolia in seinem Lehrbuch der biologischen Heilmittel als vielseitige Medizin, vor allem gegen Infektionskrankheiten und als Antiseptikum.

Seine lebendigen Ausführungen beschloss Dr. Jaggi mit einem Blick auf die Heilmittelratio aus anthroposophischer Sicht: Eine in die Tiefe dringende Pfahlwurzel weist auf stärkere kosmische Qualitäten der Pflanze hin, die im Menschen die oberen Wesensglieder ansprechen und fördern. Eine feine, breite Verwurzelung deutet auf eine starke Verbindung der Pflanze mit irdischen Qualitäten, die mehr auf den rhythmischen und den Stoffwechsel-Bereich zielen.